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Newsletter 4/2009

NEWSLETTER - NEWSLETTER – NEWSLETTER – NEWSLETTER - NEWSLETTER

 

Ausgabe 4, Juni 2009

 

Wir freuen uns, die 4. Ausgabe unseres Newsletters präsentieren zu können:

 

1 . Diskriminierungen

 

Schülerin an Schulanmeldung in Graz gehindert

 

Am Donnerstag, den 26. Februar wollte sich die 15jährige Schülerin M. mit Migrationshintergrund in Graz in einer berufsbildenden höheren Schule anmelden. Sie wurde nicht einmal in das Anmeldezimmer vorgelassen! Die zuständige Lehrerin teilte ihr sofort mit, dass sie sich mit dem Kopftuch hier in dieser Schule nicht anmelden könne.

M. suchte daraufhin unser Büro auf und eine SOMM-Mitarbeiterin begleitete sie zur Sprechstunde der Frau Direktorin. Die Direktorin wiederholte ihre Ansicht, dass Schülerinnen mit Kopftuch in ihrer Schule keinen Platz hätten. Ihre Begründung: Kochen sei ein Pflichtfach und das Kopftuch unhygienisch; auch Sportunterricht wäre mit Kopftuch nicht möglich.

Nach einigen Argumentationen und Verweisen auf das Anti-Diskriminierungsgesetz nahm sie ihre Zeugnisse doch noch entgegen. Wir haben den Vorfall auch an die Gleichbehandlungsanwaltschaft gemeldet. Wir finden es skandalös, dass Mädchen mit Kopftuch am Zugang zu Bildung gehindert werden, wo andererseits in den Medien stets das geringe Ausbildungsniveau von migrantischen Jugendlichen bedauert wird. Mittlerweile hat die Gleichbehandlungsanwältin auch bereits interveniert und die Direktorin reagiert: sie wäre auf diese „Problematik“ nicht vorbereitet gewesen und würde in Zukunft nach einer praktikablen Lösung für ihre Schule suchen.

 

Warum tragt ihr Kopftuch!

 

Zwei RAHMA-Mitarbeiterinnen haben im Rahmen des Internationalen Frauentages eine Veranstaltung in Graz besucht. In einer freundlichen Atmosphäre unterhielten sich alle angeregt.

Neben unseren Kolleginnen saß u. a. eine Pensionistin, die beim Land Steiermark tätig war. Sie unterhielten sich über verschiedene Themen wie Herkunft, Kindererziehung, Rückzahlung der Sozialhilfe. Beim Thema arbeitslose migrantische AkademikerInnen kam es bereits zu den ersten Kränkungen, weil die Dame meinte, jeder muss hier bei Null beginnen, als Müllmänner gäbe es genug Arbeit in Österreich und wem es nicht gefällt, der kann ja wieder nach Hause gehen. Und überhaupt: Ausländer sollten sich mehr integrieren. Auf Nachfrage unserer Kollegin, was sie unter Integration verstehen würde, meinte die Dame: der Geruch der türkischen Küche würde sie belästigen. So setzte sich das Gespräch fort, bis auch das Kopftuch und seine islamischen Begründungen zum Thema wurden. Unsere Mitarbeiterin warf die Meinung ein, dass es in islamischen Ländern weniger HIV-Erkrankungen gäbe. Plötzlich rief eine Frau vom anderen Ende des Tisches sehr zornig zu ihnen: wer sagt, dass es bei euch (Anm.: in der islamischen Welt) weniger HIV gibt? Warum müsst ihr überhaupt Kopftuch tragen? Unsere Kolleginnen meinten, sie würden hier nur diskutieren, warum sie sich so aufrege.

Enttäuschend empfanden unsere Mitarbeiterinnen, dass keine der Zuhörerinnen in der Auseinandersetzung vermittelnd eingegriffen hat.

 

 

2 . Rahma-Besuchs- und Begleitdienst-Arbeit

 

Rahma - Mitarbeiterin begleitet achtjähriges türkisches Mädchen mit besonderen Bedürfnissen

 

Das Mädchen und ihre Mutter leben erst seit acht Monaten in Österreich. Sie benötigt spezielle Untersuchungen und  Förderungen. Bislang wusste die Familie nicht, an welchen Arzt und welche Stelle sie sich deswegen wenden kann. Unsere Mitarbeiterin hat die Mutter über die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten beraten und sie bei den notwendigen Wegen begleitet: zum Finanzamt wegen der erhöhten Familienbeihilfe, zum Schulpsychologen, zum Schuldirektor und zur Schulärztin wegen des sonderpädagogischen Förderbedarfs, in die Kinderklinik wegen der Abklärung und Prognose ihrer Behinderung, letztendlich zur stationären Aufnahme, zum Bundessozialamt wegen dem Pflegegeld und Abklärung des Förderbedarfs, zur Sozialarbeiterin wegen diverser Anträge zur Kostenübernahme.

Diese umfassende Beratung und Begleitung war für die Mutter und ihre Tochter eine große Erleichterung. Ohne Rahma wäre die Familie sicher noch länger in Unkenntnis und das Mädchen ohne entsprechende Förderung geblieben. Nicht einmal der Vater, der bereits seit 20 Jahren in Österreich lebt, wusste über die verschiedenen Möglichkeiten Bescheid.

 

 

3. Veranstaltungen

 

„Leiden und Gesundwerden“ – Internationale Lernwerkstatt vom 11.-13.Juni 

 

Vom 11.bis 13.Juni hat unser Verein im Jugendgästehaus Graz eine internationale Lernwerkstatt zum Thema „Leiden und Gesundwerden“ im Rahmen unserer Grundtvig-Lernpartnerschaft „Europäische Vielfalt – oder wie geht das alles unter einen Hut“ durchgeführt. Drei Tage lang haben wir uns mit unseren PartnerInnen aus Frankfurt (Deutschland), Warschau (Polen), Konya (Türkei), Oradea (Rumänien) und Kaunas (Litauen) in einem interkulturellen Diskurs darüber auseinandergesetzt.

Im März waren vier SOMM- und Rahma-Mitarbeiterinnen bei der ersten Lernwerkstatt mit dem Thema „Auf die Familie kommt es an“ im März 2009 zu Gast in der rumänischen Stadt Oradea.

 

Bei Interesse lesen dazu in Kürze Berichte auf unserer Homepage.

 

Diversity in der Frauenbewegung: )Musliminnen(?

 

Am 5. März veranstaltete SOMM anlässlich des Internationalen Frauentages eine Diskussion mit dem Titel „Diversity in der Frauenbewegung: )Musliminnen(? .  Einleitend referierte Amina Baghajati, Medienreferentin der IGGÖ zum Thema, um danach über Gemeinsamkeiten und Differenzen in der Frauenbewegung mit den Teilnehmerinnen zu diskutieren. Moderiert wurde die Veranstaltung von Birgit Maierhofer (Palaver connected).

 

Frauenpower: Fatima hat ihren Weg gefunden

 

Am 20.3.2009 fand der letzte Workshop unserer IQRA-Empowerment-Reihe statt.

Eingeladen war Frau Gerrit Fatima Uzun, sie ist seit dem Alter von 12 Monaten – wegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers -  halbseitig gelähmt.

Im zweiten Teil des WS referierte Frau Medina Veli?, Studierende der Ethnologie, aktiv in der muslimischen Jugend Österreich/Steiermark (MJÖ -Landesvorstandsmitglied) in einer theologischen Einführung über den Umgang mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen aus islamischer Perspektive. Workshop und Vortrag wurden mit großem Interesse aufgenommen.

 

Bildung, Religion und soziale Bewegungen

 

Am 15.Mai erfreuten wir uns an einem Workshop mit Prof. Passos aus Brasilien, Pädagoge, Philosoph und Theologe. Prof. Passos erläuerterte in seinem Vortrag die Bedeutung des Wortes und die eigentlichen Aufgaben von Bildung. 15 Migrantinnen und Musliminnen folgten interessiert seinen Ausführungen und stellten zahlreiche Fragen.

 

4. Interkulturelle Workshops

 

Im Frühjahr fanden in unserem Büro zwei Workshops mit jeweils einer IKL-Lehrerin statt. Einer behandelte das Bildungssystem in Österreich und die verschiedenen Ausbildungswege. Im zweiten Workshop thematisierten Mütter die Schwierigkeiten ihrer Kinder in den Schulen und wurden gemeinsam mit der IKL-Lehrerin Lösungsansätze erarbeitet.

Weiters führte unsere Kollegin Frau Saraç Laçin mehrere Ernährungsworkshops durch, dreimal in türkischer Muttersprache, einmal mit arabischer und einmal mit tschetschenischer Dolmetschung.

Am 24.2. fand als Fortbildung für unsere Rahma-Mitarbeiterinnen ein Workshop zum Thema „Kultur“ statt. Als Referentin kam Frau Mag.a Kari?-Kova?, ehemalige Leiterin des EU-Projektes „Marhama“, Dolmetscherin und Dipl. Krankenschwester. In einer anregenden Diskussion setzten sich die Teilnehmerinnen mit den Begriffen Kultur, Multikulturalität, Assimilation auseinander und diskutierten über Unterschiede und Gemeinsamkeiten z.B. bei Kindererziehung, Begrüßungen, Respekt, Pünktlichkeit, Frauenrechte.

 

Am 6. Juni 2009 war Frau D.rin Ulrike Bechmann vom Institut der Religionswissenschaften der Universität Graz mit StudentInnen im Rahmen des Masterstudien-Seminars „Abrahamitische Religionen II / Islam“ zum Thema: „Vielfalt muslimischer Orthopraxie in Europa“ in SOMM.

Ein gelungenes good-pratice Beispiel für eine ganzheitliche Perspektive, die sich der Bedeutung gemeinsamer Kommunikation bewusst ist und es wertschätzt, an den Erfahrungen von Migrantinnen Anteil haben zu können!

 

Auch mit unserer interkulturellen Mädchengruppe haben wir regelmäßig Workshops abgehalten und Ausflüge unternommen.

 

5 . Anderes

 

SOMM-Mitarbeiterinen Mag.a Selma Hajdarevi?-Kurtali? und Frau Türkan Saraç Laçin haben einen Vortrag zum Thema „Islam und Medizin“ an der Fachhochschule Bad Gleichenberg/ Diätologie abgehalten. Themen waren: 1.Transkulturelle Kompetenz,  2. Ethik, Moral und Geschlechterverständnis,  3. Das islamische Gesundheits- und  Krankheitsverständnis,  4. Krankenbesuch und Bedeutung der Familie.

 

Teilnahme an anderen Workshops

 

SOMM-Mitarbeiterinnen haben an folgenden Veranstaltungen teilgenommen: beim DANAIDA Workshop „Migrantinnen und Sprachenerwerb“, am Weiberstammtisch am 8.März, zu dem Integrationsbeauftragte der Stadt Graz Brigitte Köksal eingeladen hat, an der Tagung „Sozialer Ausgrenzung entgegenwirken! Gesellschaftliche Teilhabe von MigrantInnen fördern“ im Rathaus, veranstaltet vom MigrantInnenbeirat der Stadt Graz, an der Tagung von Stadträtin Edlinger gegen Armut und den daraus folgenden Arbeitskreisen zu Armut & Migration, am Interkulturellen Netzwerktreffen der SozialarbeiterInnen, am Arbeitskreis „Zwangsheirat“ von Landesrätin Vollath, am Bleiberechtstreffen des Vereins Zebra, an der Tagung „Mädchengesundheit in der Steiermark“ vom Frauengesundheitszentrum.

 

 

Mitarbeit bei Radio Helsinki

 

Unsere Rahma-Mitarbeiterin Khatera Sadr arbeitet bei den Interkulturellen Radiodialogen – Stimmen der Vielfalt beim Freien Radio Helsinki mit. Bis jetzt hat sie 2 Sendungen gestaltet und dafür auch Interviews gemacht: „Leben mit zwei Sprachen“ und „Menschenrechte in Graz“.

 

Deutsch-Basis-Kurs

 

Am 4. Mai haben wir wieder mit einem Deutsch-Basiskurs gestartet. Er findet zweimal wöchentlich statt.

 

Kommunikationstraining

 

Unsere Rahma-Mitarbeiterin, Juristin und Trainerin Frau Mag.a Astrid Gschiel hat von November 2008 bis März 2009 einen Fortsetzungskurs des Kommunikationstrainings für die Mitarbeiterinnen des Rahma  Besuchs- und Begleitdienstes abgehalten.

Stimmen der Teilnehmerinnen:

 

„Für mich als Muslimin ist es besser mit einer Schwester zu lernen, als mit einer anderen Deutschlehrerin und sei sie noch so professionell. Ich schäme mich nicht, etwas zu sagen. Ich bin motiviert und bereit zum Lernen. Ich weiß, dass es fast allen Frauen so geht, vor allem denen, die wir begleiten – sie wollen in die Deutschkurse von SOMM Basis I und II gehen.“

„Wenn mich Leute ansehen, habe ich immer ein Problem mit dem Reden.“

„Man muss Mut haben und immer reden, das hilft.“

„Ich hatte immer Angst vor Anderen zu reden, aber wenn man es öfters macht, dann geht es.“

 

Neue Mitarbeiterin

 

SOMM freut sich, Ihnen unsere neue Mitarbeiterin Frau Arezoo Hashemi vorstellen zu können. Frau Hashemi kommt aus dem Iran, lebt seit 9 Jahren in Österreich und ist gelernte Modedesignerin. In unserem Verein wird sie sich einerseits um Layoutarbeiten und Öffentlichkeitsarbeit kümmern, andererseits die Themen kulturelle Vielfalt und Anti- Diskriminierung künstlerisch aufbereiten und in der Netzwerkarbeit aktiv sein.

6 . Nachrichten aus der Welt

 

Auch wenn mittlerweile die schnelllebige Medienwelt die Vogelgrippe durch die Schweinegrippe abgelöst hat, ist nachfolgender Artikel noch immer sehr aktuell (und interessant).

 

Die indonesische Gesundheitsministerin Dr. Siti Fadilah Supari hat ihr wichtiges Buch „It’s Time fort he World to Change – In the spirit of dignity, equity and transparency – Divine Hand behind Avian Influenza“ im Jahr 2007 in Indonesien veröffentlicht; seit dem vergangenen Jahr ist es auch in englischer Sprache erhältlich.

 

Siti Fadilah Supari beschreibt in ihrem Buch den Kampf gegen die WHO und neokolonialistische Bestrebungen, ihrem Land, aber auch allen anderen Entwicklungsländern,  ihre Souveränität und ihre Rechte und Würde abzusprechen. Sie prangert an, dass die reichen Industrieländer die Entwicklungsländer ungleich behandeln, und fordert Transparenz bei der Abgabe und Weiterverarbeitung der Viren.

 

Sie beschreibt, wie die indonesische Regierung und die indonesische Gesellschaft Hand in Hand mit den Folgen der Vogelgrippe im eigenen Land sorgfältig umgegangen sind und die notwendigen Schritte unternommen haben, deren Ausbreitung zu stoppen.

 

*****

Als Ergebnis des Veil-Projektes (www.veil-project.eu), an deren Konferenz in Wien 2008 auch eine SOMM-Mitarbeiterin teilgenommen hat, ist nun ein Buch erschienen mit dem Titel „Der Stoff, aus dem Konflikte sind“, zu bestellen beim Verlag transcript. Aus der bookcard:  „Die Kontroversen um das islamische Kopftuch haben gezeigt, dass dabei um mehr als nur ein Stück gestritten wird. Vielmehr dient der Kopftuchstreit als Projektionsfläche, auf der die verschiedenen Konfliktlinien der Einwanderungsdebatten in Europa sichtbar werden.

 

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